Bürgermeister Sebastian Mayer über die ersten 100 Tage im Amt

Sebastian Mayer blickt im FN-Gespräch auf die ersten 100 Tage als Bürgermeister zurück. ©Simon Retzbach

Presseartikel der Fränkischen Nachrichten vom 15.08.2026dd

Seit Mai weht im Niederstettener Rathaus ein frischer Wind: Sebastian Mayer wurde Nachfolger von Heike Naber. Im Gespräch bilanziert er die bisherige Amtszeit – und sieht die Verwaltung in einem Punkt bereits „am Limit“

Niederstetten. Verlaufen hat er sich schon mal nicht, erzählt Niederstettens neuer Rathauschef Sebastian Mayer mit einem Schmunzeln. Dabei hätte es ja sein können, dass er aus alter Gewohnheit auch nach seiner Wahl zum Bürgermeister erstmal den alten Arbeitsplatz ansteuert: das Büro des Bauamtsleiters im zweiten Stock des Rathauses.

Doch diese Umstellung ist schonmal geglückt, zielsicher findet Mayer seit Amtsantritt Anfang Mai seinen neuen Arbeitsplatz im ersten Stock. Wobei er durchaus alte Gewohnheiten aus seiner früheren Position mitbringt. Denn seine Tür steht offen, dauerhaft. Mayer will das bewusst so, erzählt er. Der 30-Jährige will auch als Bürgermeister mittendrin im Verwaltungsleben sein, seine Mitarbeiter sehen und unkompliziert sprechen können.

Kürzlich hat der Niederstettener die wichtige 100-Tage-Marke im Amt erreicht. Zeit für eine erste Bilanz. Der Ausgangspunkt ist dabei durchaus schwieriger als für viele andere Neu-Bürgermeister, denn die vergangenen Jahre unter Vorgängerin Heike Naber waren von andauerndem Streit geprägt. Da muss „der Neue“ eigentlich direkt liefern. Verspürt Mayer deshalb einen besonderen Erfolgsdruck? „Nein, gar nicht. Es gab einen klaren Schnitt, die Leute sind jetzt alle ganz anders drauf und positiv gestimmt“, schildert Sebastian Mayer.

Er erzählt von vielen positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Diese holt Mayer regelmäßig mit ins Boot, indem er über viele Entwicklungen der Gemeinde in den sozialen Medien berichtet. „Die Leute merken: ‚Da geht ja was‘. Die freuen sich über diese transparente Kommunikation“, meint der 30-Jährige. Diese umtriebige Kommunikation ist für den Verwaltungschef kein Selbstzweck, sondern Schlüssel für weitere Entwicklungen. Denn für manche Projekte – wie zuletzt etwa die Ertüchtigung des Schlossbergs – braucht es ehrenamtliche Helfer. Mit seiner Art will Mayer diese motivieren. „Es gibt hier viel Potenzial und Energie, man muss das nur freisetzen“, ist er überzeugt.

Wer mit dem Verwaltungsfachwirt spricht, merkt ihm die Begeisterung für die Arbeit in „seinem“ Niederstetten an. Man merkt: Er hat noch viele Ideen, die er gerne für seine Heimat umsetzen möchte. Und damit das klappt, braucht es eben viel ehrenamtlichen Einsatz. Denn die finanziellen Mittel der Stadt sind begrenzt, Haushaltskonsolidierung ist ein Dauerthema. Große Wirkung mit möglichst kostengünstigen Mitteln lautet also das Motto.

Im Zuge der Haushaltskonsolidierung war auch der Abbau von Stellen in der Verwaltung in der Vergangenheit schon Thema. Bis zu sieben Vollzeitstellen müssten abgebaut werden, hieß es vor rund einem Jahr. Ein Sparkurs, der auch von der Kommunalaufsicht mit Blick auf den Haushalt angemahnt wird. Mayer sieht diese Notwendigkeit ebenfalls, mahnt aber gleichzeitig: „Irgendwann ist ein Limit erreicht.“ Stellen eingespart habe man bereits, so wurde beispielsweise die Position des Bauamtsleiters nach seiner Wahl nicht mehr nachbesetzt und inhaltlich dem Hauptamt zugeordnet. Auch in der Kämmerei seien Stellen gespart, zudem sei der Stellenumfang in seinem Bürgermeistervorzimmer um 30 Prozent reduziert worden.

Mayer: Nicht nur Ausgaben kürzen, auch Einnahmen erhöhen

Doch Mayer macht deutlich, dass er nun eine Art Schmerzgrenze erreicht sieht, die Neuorganisation der Aufgaben sei für alle in der Verwaltung „sehr anstrengend“. Niederstetten als Flächengemeinde benötige einfach eine gewisse personelle Ausstattung. Und da man nicht nur über das Verringern von Ausgaben die Finanzlage verbessern könne, will Mayer sich nun der Einnahmenseite widmen. „Wir wollen den Gewerbepark Adolzhausen voranbringen, um Interessenten ein Angebot machen zu können“, erklärt er. Hier soll mit einem Imagefilm und einem Exposé jetzt aktiv in die Vermarktung der verkehrsgünstig gelegenen Flächen begonnen werden. Konkrete Interessenten gebe es momentan zwar keine, die Wirtschaftslage sei schwierig – doch der Neu-Bürgermeister will die Nachfrage gerne durch ein attraktives Angebot erzeugen, also gewissermaßen in Vorleistung gehen.

Nicht nur bei Adolzhausen, auch anderswo soll gebaut werden. Wohnbau war schon im seinem Wahlkampf ein großes Thema, das er nun umsetzen will. „Wir wollen in jedem Ortsteil in gesundem Maß etwas anbieten“, gibt er die Richtung vor. Sei es durch Innenentwicklung wie in Herrenzimmern oder durch Flächenerwerb wie in Pfitzingen, Wildentierbach oder Wermutshausen – Bauwillige sollen in Niederstetten ein gutes Angebot vorfinden.

Das nächste Großprojekt und eine Priorität des neuen Bürgermeisters: Die Sanierung des Niederstettener Bildungszentrums.

Ebenfalls eine wichtige Baumaßnahme in der Kernstadt: Das Bildungszentrum Niederstetten soll saniert werden. „Wir sind jetzt in Gesprächen mit dem Architekten und dem Regierungspräsidium. Bis Jahresende soll der Kostenrahmen feststehen. Mit dem ersten Bauabschnitt wollen wir Ende 2027 beginnen“, gibt Mayer die Richtung für das Millionenprojekt vor. Darüber hinaus hat er ehrgeizige Pläne, denkt über eine deutliche Straffung des Vorhabens von insgesamt fünf auf nur zwei Jahre nach. Der Schulbetrieb müsste dann in Container ausgelagert werden. „Man muss überlegen, ob diese Lösung kostengünstiger wäre als die weiteren Jahre Baubetrieb, wo derzeit die Baukosten von Jahr zu Jahr steigen“, so Mayer. Ein Grundsatzbeschluss durch den Gemeinderat soll im Herbst fallen.

Neben den Zukunftsprojekten sei aber bereits jetzt schon so manches passiert. Mayer verweist neben der Ertüchtigung des Schlossbergs auch auf Maßnahmen in der Innenstadt, die gut vorankommen, wie etwa die Neugestaltung der Römergasse. Auch hier hat der Verwaltungschef noch Ideen, wie die Innenstadt weiter belebt werden könnte. So denkt er im Gespräch laut über ein „After-Work-Event“ nach, wie es bereits in Weikersheim oder Bad Mergentheim erfolgreich praktiziert wird. Zentrales Element hierbei: das Ehrenamt. „Das ist das, was eine Gemeinde voranbringt. Die Leute und die Unternehmen sollen sich als Teil der Stadt sehen.“

Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat: „Ein schöneres Arbeiten“

Dass es nicht immer nur erfreuliche Entwicklungen geben kann, ist dem Bürgermeister dabei bewusst. Die erste solche Entscheidung unter seiner Verantwortung war mit der Erhöhung der Kindergartengebühren im Juli zu treffen. „Das ist nie schön“, ist sich Mayer bewusst. Er könne den Ärger der Eltern verstehen. Doch das klare Signal der Geschlossenheit aus dem Gemeinderat ist ihm dennoch wichtig. Denn auch das, die Einigkeit mit dem Kommunalparlament, war in der Vergangenheit oft alles andere als selbstverständlich.

Allgemein scheint die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat bislang ebenfalls zu gelingen. „Das ist jetzt ganz anders“, beschreibt er die Eindrücke aus den Sitzungen unter seiner Leitung. „Es gibt natürlich auch jetzt mal Kritik und Diskussionen, aber das ist völlig in Ordnung. Insgesamt geht es weg von persönlichen Empfindlichkeiten und wieder hin zum gemeinsamen Interesse der Stadtentwicklung. Es ist einfach ein schöneres Arbeiten“, freut sich der Verwaltungschef.

Ein schöneres, aber auch zeitintensiveres Arbeiten mit weniger Privatleben für den Amtsinhaber. Die Tage seien länger als noch in der Position des Bauamtsleiters, erzählt Mayer: „Es sind viel mehr und auch andere Termine. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass ich mal mit dem Verteidigungsminister im NH90 fliegen darf.“ Er sei eigentlich rund um die Uhr im Job, denn er werde auch beim Einkaufen oft von Bürgern angesprochen. Umso wichtiger ist es ihm, sich auch mal gezielt Freiräume für Familie und die Partnerin zu schaffen.

Ob ihm das dauerhaft gelingt, bleibt abzuwarten. Das ein oder andere Thema nimmt er gedanklich mit nach Hause, räumt er ein. Die ersten 100 Tage als Bürgermeister in einem Wort? „Bewegend“ – das dürfte im doppelten Sinne gelten: für ihn und auch für Niederstetten.

Simon Retzbach, Erschienen am 15.08.2026,
in den
Fränkischen Nachrichten

Im Landesfernsehen:
Bürgermeister zieht 100-Tage-Bilanz

Hier Video ansehen! (Link führt zu www.l-tv.de)

100 Tage Sebastian Mayer: Nach turbulenten Jahren blickt Niederstetten auf den Neustart im Rathaus. Der neue Bürgermeister zieht gemeinsam mit L-TV eine erste Bilanz und spricht über Herausforderungen, Erwartungen und die Zukunft der Vorbachtalgemeinde. Gelingt jetzt der Neuanfang?

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“Deutlicher Wahlsieg für Mayer”